Zwischen den Wellen- Vom Gefühl ein eigenes Haus zu besitzen.

26. Oktober 2020Hannah Brunnbauer

Wir haben das schmale Zeitfenster zwischen den beiden Coronawellen genutzt, um  von einer 80qm-Mietwohnung in ein eigenes Haus zu ziehen, mit 150qm Wohnfläche und noch einmal so großem Hof und Nebengebäuden.

Die weniger romantische Backstory dahinter ist, dass wir  Ende Juni zum Oktober von dem Vermieter unserer Wohnung ( in bester Lage in der begehrten Altstadt) wegen Eigenbedarfs gekündigt wurden (Kommentar des Umzugsunternehmens: “ Ja, das wird oft als Grund angegeben“). Was gut für den Vermieter sein mag, ist für Mieter sagen wir mal, sportlich, denn in drei Monaten eine neue Bleibe zu finden, wenn man nebenbei noch voll arbeitet und nicht gerade in Brandenburg wohnt, wo sich Wölfe und Nazis gute Nacht sagen, ist alles Andere als einfach.

Also sind wir in die Vollen gegangen und haben ALLES  besichtigt was ging und was größer war als unsere vorherige Wohnung. Um eine lange Story kurz zu machen: wir hatten unwahrscheinliches Glück und haben eine alte Hofreite von 1978 im Nachbarort mit viel Platz (und einigen Baustellen) gefunden, gekauft und konnten fristgerecht einziehen, was eigentlich mit diesem Zeitraum für einen Hauskauf fast ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Nun muss man ja sagen, dass uns Renovierungsarbeiten nicht abschrecken. Mein Mann kommt aus einer Handwerkerfamilie und ich scheue mich auch nicht davor, mit anzupacken und bin ohnehin der Überzeugung, dass man fast alles lernen kann, wenn man es denn möchte.

Was ich allerdings vorher gerne gewusst hätte, ist die Sache mit den Handwerkern.

Es ist nämlich keineswegs so, dass man einfach bei Zimmermann, Heizungsbauer und Co anruft und sofort einen Termin bekommt, oh nein! Bei meinen Versuchen, Profis für jene Dinge zu engagieren, welche man eben NICHT schnell selber lernen kann (Starkstromkabel legen, Balken austauschen, Wände mauern, eine Zentralheizung einbauen und Wasserrohre ziehen) stieß ich zunächst auf bis Mitte 21 volle Terminkalender. Und als ich dann endlich Profis an Land gezogen hatte, erwies sich die Terminfindung aufgrund hartnäckigen „Nicht-Meldens“ oder spontaner Terminverschiebung (“ bin noch woanders“) als mehr als schwierig. Das wurmt mich halt schon, weil die Handwerker ja auch (zu Recht!) fürstlich bezahlt werden und ganz ehrlich, ich bin als Selbstständige die letzte, die bei einem angemessenen Gehalt für gute Leistungen knausrig ist, aber ein wenig Professionalität in der Planung kann man ja wohl schon erwarten. (Das Angebot vom Heizungsbauer steht nach fast 4 Wochen übrigens immer noch nicht, man darf gespannt sein)

So ein eigenes Haus entschleunigt also. Zwangsweise.

Ich habe also Geduld gelernt. und einen gewissen Fatalismus gepaart mit schwarzem Humor, denn so ein altes Haus ist wie eine alte Person, mit Wehwechen hier und da, es ächzt überall und nach und man wird überrascht.oft. und nicht immer sind die Überraschungen erfreulich.

Diesen Samstag zum Beispiel beschloss unser altes Haus , undicht zu werden (oder zumindest, diesen Zustand deutlich raushängen zu lassen, denn das Grundproblem bestand vermutlich schon vorher , wurde uns allerdings bei Besichtigung als geringfügig undichtes Wasserrohr verkauft. Nunja.) Es lief plötzlich der kleine Kriechkeller unter der Küche langsam mit Wasser voll. Zum Glück so langsam, dass es bei einer Pfütze blieb, die sich aber stetig vergrößerte. Die Vermutung eines leckenden Außenrohres erwies sich als falsch, als der Regen draußen zunahm und die Wassermenge im Keller sich diesem Umstand zeitgleich anschloss. Irgendwo ist also ein Regenrinnenrohr defekt, so vermuten wir zumindest. Genaueres wird der Klempner hoffentlich sagen können.

Der will heute kommen.

So zwischen 2 und 3.

 

 

 

 

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