Von Scheren, Teelöffeln und kleinen, goldenen Glöckchen- Die tägliche Amsel

27. April 2019Hannah Brunnbauer
Zwischen den Pusteblumen und den Grashalmen sucht und findet die Amsel das ein oder andere Würmchen.

Ich hätte diesen Beitrag auch : ‚Vom Suchen und Finden‘ nennen können, aber dann bekomme ich wieder nur so komische Sucheinträge, über die mein Blog gefunden wurde (Axtmörder sucht Vergebung, Findling gefunden, Messie verwohnt zweite Mietswohnung). Außerdem habe ich neulich irgendwo gelesen, man möge sich doch weniger schwammig audrücken in seinen Überschriften, also bitte!

Ich fange dann mal von hinten an. Den Glöckchen. Denn im Gegensatz zu den Teelöffeln und den Scheren gibt es hier ein Happy End. Um mir die Zeit bis zur Hochzeit zu vertreiben, mein Bastelgen etwas auszuleben und auch, weil ich die Preise für Hochzeitsdeko auf weite Strecken sehr unangemessen finde, bastel ich sie selber: Die Kleinigkeiten, welche eine Hochzeit persönlich machen, den Gästen ein Schmunzeln entlocken, oder einfach witzig sind. Zu diesen Dingen gehören auch Weddingwands. Ein Weddingwand, das ist ein etwa 20 cm langer Rundstab (oder Schaschlikspieß, hier nur die Spitze abschneiden, damit es keine Toten gibt beim Wedeln, denn auch wenn Augenklappen grad Trend sind, muss das nicht unbedingt auf meiner Hochzeit sein) an dessen Spitze 3-5 etwa 20cm lange Satinbänder sowie ein Glöckchen befestigt sind. Der Sinn eines solchen Wands besteht dann darin, ihn auf der Hochzeit immer dann lustig zu wedeln, wenn normalerweise Konfetti, Reis oder Glitzer geworfen wird (Alles nicht mehr so gerne gesehen, Konfetti und Glitzer kleben noch Wochen später zwischen den Pflastersteinen und vom Reis explodieren die Tauben). Die bunten Bänder sehe toll aus und die Glöckchen klingen lieblich. Achja. Die Glöckchen.

Was hat es damit auf sich (und somit gelangen wir nun endlich zum Thema dieses Beitrages), dass eigentlich alltägliche Dinge nicht mehr auffindbar sind, sobald man sie benötigt? Ich habe zwei Tage lang sämtliche Geschäfte nach diesen kleinen goldenen Schellenglöckchen abgesucht, vergeblich. Für eine Order über das almighty internet (Danke an meine treuen Instagram Follower für die 168 Antworten in die Richtung) war es schon zu spät, denn am Mittwoch ist Feiertag und ich habe keine Lust, in der Nacht vor der Hochzeit noch eine Bastelnachtschicht einzulegen (Man stelle sich das vor: “ na, noch gesoffen gestern?“ „Ne. gebastelt“- da kriegste direkt den Ökostempel).

Als ich also schon mit dem Gedanken spielte, 100 Lindthasen zu kaufen-denn immerhin ist Ostern durch, alles um 50% reduziert und Lindthasen haben was? genau: Glöckchen!- bin ich im Spielwarengeschäft dann doch noch fündig geworden: genau 100 Glöckchen waren da. Und so bimmelte ich schließlich glücklich mit einem Weihnachtslied auf den brennenden (da frisch von Härchen befreiten) Lippen nach Hause.

Dieses Phänomen der plötzlichen gefühlten Einzelteil-Planwirtschaft ist mir nicht neu. Wenn ich mal Ingwer suche, ist er weg. Diverse Rezepte bringen mich in regelmäßigen Abständen zum Ausrasten, weil ich zwar indische Mango und fermentierten Pfeffer bekomme, aber nirgendwo frisches Basilikum zu finden ist. So halt. Und dann gibt es noch das langsame Aussterben der Haushaltsgegenstände.

Spitzenreiter in dieser Kategorie sind bei mir Scheren und Teelöffel. Ich weiß ganz ehrlich nicht, was für ein Vermögen ich schon in Teelöffel versenkt habe (doch ich weiß es, dank Haushaltsbuch. Der dreistellige Betrag ist nicht mehr fern). Meiner Ansicht nach müssten wir bereits hunderte dieser Löffel besitzen. In der Schublade finden sich höchstens zehn, Anzahl tendenziell beständig sinkend. Was geschieht mit den Löffeln? bauen sie unter dem Parkett ein Weltimperium auf? Oder brauchen so viele Leute einen Löffel zum Abgeben (bei dem Gejammer überall durchaus möglich)? Bei den Scheren sieht es ähnlich aus und da ist es auch ganz gleich, ob Nagelschere, Küchenschere oder Bastelschere. Ich habe mindestens 20 Scheren im Haus, muss aber immer suchen, um überhaupt eine zu finden (mir ist bewusst, dass ich damit vermutlich der Studie zu Unfällen im Haushalt Vorschub leiste). Mittlerweile wird auch jede Schere irgendwie für alles verwendet.

Wie ist das bei dir mit dem Suchen und Finden? Ist das bei dir auch so , oder muss ich fürchten, dass mein Haus verflucht ist? Lass mal hören!

Deine Wren

2 Comments

  • Elisa

    25. Juli 2019 at 14:26

    So herrlich geschrieben. Wenn man beim Lesen vor sich hin prustet und die Kollegen irritiert gucken … 😀

    1. Hannah Brunnbauer

      25. Juli 2019 at 14:39

      Vielen Dank liebe Elisa, genau so soll es doch sein, oder?:D
      Liebste Grüße,
      Wren

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